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Klangwelten zwischen zeitgenössisch und klassisch, abstrakt und vertraut

Ein Interview mit Atte Kantonen

CHAMÄLEON Theater: Lieber Atte, vielen Dank, dass du dir Zeit für ein kurzes Interview mit uns genommen hast. Bitte erzähl uns doch für den Anfang etwas über dich.
Atte Kantonen: Ich bin Sound Designer, Komponist und Klangkünstler aus Helsinki, Finnland. Ich schließe kommenden Frühling mein Masterstudium in Sound Design an der University of the Arts Helsinki ab, arbeite aber schon seit fünf Jahren professionell. Ich arbeite hauptsächlich im Bereich der darstellenden Kunst, mache aber auch gelegentlich Installationsarbeiten und komponiere experimentelle Musik. Ob ich nun in Kollaborationen arbeite oder ein Soloprojekt mache - für mich ist der Grundgedanke, dass Klang ein Prozess ist.
 
Gibt es Projekte, auf die du besonders stolz bist?
Ich finde es ziemlich schwer, einzelne Projekte zu nennen, da jedes Projekt seine eigenen einzigartigen Qualitäten hat, auf die ich stolz bin. Es ist nicht unbedingt das, was ich selbst eingebracht oder geschaffen habe, sondern immer die faszinierende und befriedigende Erfahrung, dass kreative Köpfe und kreative Kräfte irgendwie etwas Überraschendes und Schönes hervorbringen. Wenn ein Stück entsteht, fühlt es sich an, wie ein leuchtender Mondstein, der von innen wunderschön schimmert, aber aus verschiedenen einzigartigen Mineralien besteht, die für sich genommen ganz außergewöhnlich sind und ihm gemeinsam seine glitzernde Form geben.
   
   
Was ist deine Geschichte mit Circo Aereo und wie bist du zu diesem Projekt gekommen?
Ich habe 2017 angefangen, mit Circo Aereo zu arbeiten, als ich einen Teil der Musik und des Sound Designs für eine Show namens The Artist gemacht habe. Danach bin ich mit der Show ziemlich viel getourt und habe 2018 eine weitere Show mit Maksim gemacht. Die Arbeit mit der Kompanie und den wunderbaren Menschen, die mit ihr verbunden sind, war sehr schön, und ich war natürlich sehr glücklich und aufgeregt, als Maksim mich bat, das Sound Design für in_between zu machen.
 
Könntest du deinen Arbeitsprozess beschreiben?
Mein Arbeitsprozess entwickelt sich ständig weiter und hängt stark vom jeweiligen Projekt ab. Bei Zirkusshows gehört es normalerweise dazu, Referenzmaterial zu sammeln, es in frühen Stadien mit den Darsteller*innen zu proben und zu beobachten, welche Stimmungen, Klanglandschaften, Dynamiken oder linearen Strukturen zu ihren Aktionen und Bewegungen passen. Manchmal gibt es eine existierende Komposition, die so gut zu einer bestimmten Szene passt, dass sie verwendet wird, und dann geht es eher darum, Wege zu finden, diese zu verarbeiten und so einzubauen, dass sie in den Flow der Show passt. Wenn die Szene eine Originalkomposition braucht, beginne ich mit einer Art "Skelett", damit der*die Darsteller*in diese als Referenz nehmen kann, und arbeite dann parallel zur Szene an der Komposition und ihrer Struktur.
  
Bei einem Projekt wie in_between kommen im Team so viele  verschiedene Stimmen zusammen. Wie arbeitest du mit Maksim, den Akrobat*innen, anderen Designer*innen oder Musiker*innen für ein solches Projekt zusammen?
Für mich war es wirklich außergewöhnlich und hat super viel Spaß gemacht, weil das Projekt mit so viel Talent und einzigartigen Fähigkeiten der Darsteller*innen und Designer*innen glänzt. Ich denke, dass jede Szene so etwas wie eine eigene kleine Show ist. Das war spannend, sie akustisch zu gestalten. Mit Maksim - er hat oft ziemlich ausgefallene Referenzen, die ich meistens sehr faszinierend finde. Wir diskutieren auch oft über bestimmte Details im Sound oder der Musik, die zum Konzept der Szenen passen. Ich schätze die Dynamik dieses Prozesses - er gibt mir einerseits viel Freiheit, andererseits aber auch wertvollen Input aus einer anderen Perspektive, die das Konzept als Ganzes betrachtet. Auch wenn die Kompositionen einige Qualitäten als einzelne Musikstücke haben, sind sie für mich in erster Linie nur ein Teil des großen Puzzles und das Wichtigste für mich ist, dass sie die Szenen und die jeweilige Show ergänzen.
  
  
Welche Rolle spielt der Sound bei in_between?
Er ist der akustische Teil der Show (lacht). Ich würde sagen, er fungiert gewissermaßen als ein Werkzeug, um Stimmungen und Atmosphären zu erzeugen - in der die Magie der Performer*innen stattfinden kann.
  
Wie würdest du den Stil der Musik von in_between beschreiben?
Ich denke, es ist ein Spiel mit Genres und Stimmungen. Wir haben eine große Vielfalt, die irgendwie doch ganz schön harmoniert. Die Originalkompositionen sind natürlich dazu geschaffen, die Szenen zu inszenieren. Aber darin spielen viele Elemente mit, die ich beim Sound ziemlich außergewöhnlich finde. Es ist irgendwie der Versuch einer Balance zwischen zeitgenössisch und klassisch, abstrakt und erkennbar.
 
Wie hat sich dein Arbeitsprozess durch Covid verändert (falls er sich verändert hat)?
Im Endeffekt hat sich nicht wirklich viel verändert. Natürlich konnte ich die Show nicht vor einem Live-Publikum präsentieren, aber abgesehen davon war der Prozess ziemlich üblich - wir haben einfach versucht, eine schöne Show in einer schönen Umgebung zu kreieren.
  
Woher nimmst du deine Inspiration?
Wie bei meiner Arbeitsweise tendiere ich dazu, mich von einem sehr weit gefassten Feld von Künsten und Phänomenen inspirieren zu lassen. Normalerweise lasse ich mich ganz einfach von Ereignissen oder Erfahrungen inspirieren, die mich in einem Sinne überraschen. Oft weil ich in dem Moment, in dem ich sie erlebe, ein Gefühl der Wärme empfinde. Es müssen nicht unbedingt Spektakel oder bahnbrechende und erschütternde Erlebnisse sein. Es ist einfach nur die immer wiederkehrende Erkenntnis, dass wir hier zwischen ganz besonderen Köpfen, Geschichten und Phänomenen leben.

 

Vielen Dank, Atte Kantonen! Wir sind sehr gespannt auf den Sound von in_between und hoffen sehr, ihn bald live im CHAMÄLEON hören zu können. In der Zwischenzeit findet Ihr hier noch ein paar weitere Impressionen aus dem Probenraum.

 
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